INFOS & TIPPS FÜR DAS KORREKTE LADEN UND PFLEGEN VON
BLEIAKKUS:
1.) Sicherheits-Hinweise (des ZVEI)
2.) Akku-Ladearten
- Standard-Laden
- beschleunigtes
Laden
- Schnell-Laden
- Erhaltungsladen
3.) Akku-Ladekennlinien
- die IU-Ladung
- die IUU-Ladung
- die IUUa-Ladung
- die IUUp-Ladung
- die W- bzw. WU-Ladung
4.) Akku-Ladetechniken
- Standardladen
mit Netzteil
- timergesteuertes
Laden
- prozessorgesteuertes
Laden
5.) Akku-Ladeverfahren
- Bereitschaftsparallelbetrieb
- Standard-Ladung
- Zyklen-Ladung
6.) Pflegetipps für Bleiakkus
Die
wichtigsten Akku-Ladearten:
| Ladeart:
| Dauer:
| Ladestrom
| Kurzbezeichnung:
|
|
1. Standard-Laden:
|
14 bis 16 Stunden
|
1/10
der Nennkapazität
|
C/10
|
|
2. Beschleunigtes Laden:
| 4 bis 6 Stunden
|
3/10
bis 4/10 der Nennkapazität
|
C/3
bis C/4
|
|
3. Schnell-Laden:
| 1 bis 1,5 Stunden
|
1
bis 1,5 fache der Nennkapazität
|
1C
bis 1,5C
|
|
4. Erhaltungsladen:
|
kontinuierlich
|
1/30
bis 1/100 der Nennkapazität
|
C/30
bis C/100
|
<zurück nach oben>
Die wichtigsten Akku-Ladekennlinien:
|
Kennlinienart:
| Funktionsweise:
| geeignet für:
|
| 1.
W-Ladung:
|
Der Ladestrom
wird nur durch den Innenwiederstand des Akkus reguliert
|
- nur Bleinassakku (GuG)
|
|
2.
IU-Ladung:
| Der Ladestrom wird nur
durch den Innenwiederstand des Akkus reguliert
|
- AGM Bleivliesakku
- Bleigelakku
- Bleinassakku (GuG)
|
|
3. IUU-
Ladung:
| Der Ladestrom wird nur durch den
Innenwiederstand des Akkus reguliert. Nach erreichen der Ladeschlußspannung
wird auf Erhaltungsladung umgeschaltet.
|
- AGM Bleivliesakku
- Bleigelakku
- Bleinassakku (GuG)
|
|
| Der Ladestrom wird nur durch
den Innenwiederstand des Akkus reguliert. Nach dem Erreichen der
Ladeschlußspannung wird der Ladevorgang beendet.
|
- AGM Bleivliesakku
- Bleigelakku
- Bleinassakku (GuG)
|
|
| Der Ladestrom wird nur durch
den Innenwiederstand des Akkus reguliert. Nach dem Erreichen der Ladeschlußspannung
wird auf Erhaltungsladung umgeschaltet
|
- AGM Bleivliesakku
- Bleigelakku
- Bleinassakku (GuG)
|
<zurück nach oben>
Die
wichtigsten Ladetechniken:
Standard Laden (mit Netzteil):
Die Akkus werden unabhängig von deren Kapazität mit einem
bestimmten Ladestrom geladen. Eine Anpassung des Ladestromes kann in der Regel
nicht vorgenommen werden. Eine Abschaltung nach beendeter Ladung erfolgt nicht.
Daher ist es äußerst wichtig unbedingt die Ladezeit abhängig von Ladestrom und
Akkukapazität, zu berechnen und rechtzeitig eine manuelle Abschaltung
vorzunehmen.
Timergesteuertes Laden:
Bei Ladegeräten mit dieser Ladetechnik übernimmt ein
eingebauter Timer die Ladestrom-Abschaltung. Die Ladezeit und die Ladeströme
für die jeweiligen Akkugrößen sind fest voreingestellt. Eine individuelle
Anpassung für den jeweiligen Akkutyp erfolgt nicht. Eine gefährliche Überladung
der Akkus ist weitgehend ausgeschlossen.
Prozessorgesteuertes Laden:
Ein Mikrocontroller im Ladegerät erkennt den Akkutyp, sowie
seinen Ladezustand und passt den Ladestrom individuell an. Dadurch werden die
Akkus immer zu 100% voll geladen, jedoch niemals überladen. Das bedeutet ein
längeres Akkuleben. Viele dieser sogenannten intelligenten Ladegeräte besitzen
neben der reinen Ladefunktion noch weitere Akku-Pflegeprogramme wie Überwinter
/ Refresh / Reflexladen und andere.
<zurück nach
oben>
Die
wichtigsten Ladeverfahren:
| Ladeverfahren:
| Ladehäufigkeit:
| Einsatzbeispiele:
| Nutzungsart:
|
|
zyklisches
Laden:
| Der Akku wird erst wieder geladen, nachdem er komplett (= zu 80%) entladen
wurde.
| Rollstuhl, E-Mobile, Modellbau, Werkzeuge
| cycle-usecyclic use
|
|
Standard Laden:
|
Der Akku wird direkt nach der
Benutzung wieder geladen. Der Akku wird ständig
geladen.
| Motorrad, Auto, Aufsitzmäher, Werkzeuge
| standby-use
|
| Bereitschaftsparallelbetrieb:
|
Der
Akku ist ständig an Ladegerät und am Verbraucher angeschlossen.
| Alarmanlagen, Notbeleuchtung, USV
| standby-use
|
<zurück nach oben>
PFLEGE-TIPPS für Bleisäure(Nassakku)-,
Bleigel- und Bleivliesakkus:
· Bleiakkus verbrauchen sich durch
Ladezyklen; jeweils ein Lade- und Entladeprozess zusammen ist ein Zyklus.
· Bleiakkus benötigen zum Aufladen spezielleBleiakku-Ladegeräte mit Kennlinie bzw. Ladeprogramm. Vor einer Aufladung mit
Netzteilen ist aus sicherheitstechnischen Gründen grundsätzlich abzuraten, da
der Akku hierbei durch Überladung zerstört werden kann (Gasung ->
Wasserverlust -> Austrocknung -> Kapazitätsverlust).
· Beim Laden sollte die Zellenspannung
möglichst exakt erreicht werden. Die folgenden Werte gelten etwa bei 20°C
Raumtemperatur. Bei höheren Temperaturen liegen die Spannungen niedriger, bei
tieferen Temperaturen sind sie höher.
· Da die Akkuspannungswerte sich mit
Änderung der Temperatur verschieben, müsste ein optimales Ladegerät die
Akkutemperatur messen und die Schwellwerte an die Temperatur anpassen
(Temperatur-Kompensation).
· Wird beim Laden eine Zellenspannung von
2,35V nicht erreicht, erhöht sich die Sulfatierung (Bleisulfatbildung) in den
Zellen, was zu einer schleichenden Verringerung der Kapazität und damit zu
einer Verkürzung der Lebensdauer führt (für 12V-Akkus gilt 14,10V und für
6V-Akkus gilt 7,05V entsprechend).
· Wird dagegen eine Zellenspannung von 2,40V
beim Laden überschritten (für 12V-Akkus gilt 14,40V und für 6V-Akkus gilt 7,20V
entsprechend) hat der Akku zwar mehr Energie gespeichert, aber seine
Lebensdauer wird verkürzt. Ständige Überladung führt bei verschlossenen Akkus
(AGM, VRLA) zu irreversibler Wasserverlust, bei geschlossenen Akkus
(KFZ-Starterbatterien) muss dann destilliertes Wasser nachgefüllt werden).
· Eine Zellenspannung von 2,45V soll bei der
Ladung deshalb nicht überschritten werden (bei 12V-Akkus gilt 14,70V und für
6V-Akkus gilt 7,35V entsprechend).
· Merke: Blei-Akkus vertragen keine
Tiefenentladung! Permanentes Tiefentladen verringert seine Kapazität dauerhaft
und zerstört den Akku so vorzeitig (u. a. wegen der Bleisulfatierung).
· Bleiakkus sind im Gegensatz zu NiCd-,
NiMH, Li-Ion oder Li-Po-Akkus nicht wirklich schnellladefähig (Ladung mit
>=1C).
· Eine Schnell-Ladung heißt hier in
ca. 8-10h (bei ca. 80% Entleerung mit Ladestrom C/3-C/4) vollladen.
· Eine Normal-Ladung heißt hier in
ca. 14-16h (bei ca. 80% Entleerung mit C/10-Ladestrom) vollladen.
· Eine Erhaltungs-Ladung soll die
Zellenspannung auf 2,25V bis 2,30V je Zelle halten (für 12V-Akkus gilt 13,50V
bis 13,80V und für 6V-Akkus gilt 6,75V bis 6,90V entsprechend).
· Die Ladung sollte zunächst mit konstanten
Strom von 0,1-0,3C erfolgen (=1/10 bis 1/3 der Akku-Nennkapazität) bis eine Spannung
von 2,35V bis 2,40V je Zelle ereicht wird. An diesem Punkt ist der Akku bereits
auf ca. 70%-80% geladen. Der Strom sollte so hoch/niedrig sein, dass dieser
Teil des Ladezyklus nicht kürzer als ca. 4h ist!
Dann wird mit niedrigerem Strom von 0,05-0,1C weitergeladen. Die Ladung ist
beendet, wenn der Strom um 3% vom eingestellten Wert abgesunken ist oder die
Zellenspannung 2,40V bis 2,45V je Zelle überschreitet (für 12V-Akkus gilt 14,4V
bis 14,7V und für 6V-Akkus gilt 7,20V bis 7,35V entsprechend). Auch dieser Teil
des Ladezyklus sollte nicht weniger als 4h dauern.
· Es empfiehlt sich die Akkus nicht
regelmäßig vollständig zu entladen. Blei-Akkus sollten deshalb bereits schon
wieder aufgeladen werden, wenn ca. 80%(!) der Kapazität entnommen wurden.
Zyklenfeste-Typen (cycle/cyclic use) haben eine längere Lebenserwartung; sie
haben also mehr Lade-/Entladezyklen als Standard-Typen (stand-by use), da sie
mehr ’aktives Material’ beinhalten und deshalb gewöhnlich auch schwerer und
teurer sind.
· Ein regelmäßiges Komplettentladen oder
sogar schon leichtes Tiefentladen stresst den Akku, fördert die Sulfatierung
(Bleisulfatbildung) und verringert so zunehmend seine Kapazität und damit auch
seine Lebensdauer.
· Die Selbstentladung eines Blei-Akku durch
seine internen elektrochemischen Prozesse liegt bei ca. 3% bis 5% je Monat (je
nach Umgebungstemperatur).
· Im Gegensatz zu den NiMH- und NiCd-Akkus
muss eine längere Lagerung von Bleiakkus stets im vollgeladenen Zustand erfolgen.
Außerdem ist eine Nachladung nach jeweils ca. 3 Monaten oder wenn die
Zellenspannung auf 2,10V/Zelle abgesunken ist notwendig (für 12V-Akkus gilt
12,60V und für 6V-Akkus gilt 6,30V entsprechend)
· Bereits ab 2,05V/Zelle (12,3V bei
12V-Akkus) beginnt der Sulfatierungsprozess und ein Wettlauf gegen die Zeit
beginnt! Bleibt der Akku nämlich zu lange in dieser Spannungslage droht ein
stetig ansteigender Kapazitätsverlust!
· Einer Sulfatierung wirksam entgegenwirken
kann man, neben der entsprechenden Pflege durch Beachtung dieser Hinweistipps,
auch mit sogenannten Akku-Aktivatoren oder dem MEGAPULSE® (Akku-Reanimator).
Diese Geräte verzögern den Prozess der Sulfatierung deutlich, machen ihn
teilweise auch rückgängig (Megapulse®). Dies hat ein längeres Akkuleben zur
Folge.
· Das Benutzen/Entladen von Akkus ist bei
Temperaturen zwischen -20°C bis +60°C möglich.
· Das Aufladen von Akkus ist bei Temperatur
der Akkus zwischen +5 bis +45°C möglich.
· Das Aufladen bei 0°C bis +5°C darf nur mit
niedrigeren Strom von 0,1C (=1/10 der Nennkapazität des Akkus) erfolgen.
· Die optimale Temperatur für Laden und
Entladen beträgt jedoch +20°C bis +25°C.
· Merke: jede dauerhafte Erhöhung der
Temperatur um 8°C bis 10°C halbiert die Lebenszeit des Akkus!
· Bei niedrigeren Temperaturen sinkt die
Kapazität und damit die entnehmbare Leistung deutlich – dies ist
elektrochemisch bedingt und deshalb auch ganz normal.
· Ein Bleiakku enthält immer verdünnte
Schwefelsäure als Elektrolyt! Sollte das Akkugehäuse Beschädigungen oder
Verformungen aufweisen, darf der Akku nicht mehr geladen und/oder benutzt
werden und muss fachmännisch entsorgt werden. Bei Direktkontakt mit dem
Elektrolyten mit Augen und Haut sofort gründlich mit Wasser spülen und umgehend
einen Arzt aufsuchen!
· Akkus enthalten giftige Chemikalien und
gehören deshalb nicht in den Hausmüll! Der Gesetzgeber hierfür schreibt
eine Abgabe beim Entsorger vor (BatVO Batterieverordnung). Ihr Händler ist zur
Rücknahme der Akkus verpflichtet!
Autor: Christian Erz *Stand: 13.2.2008 * Version 1.2 * Copyright-Hinweis: keine Vervielfältigung oder
Nachdruck, auch nicht auszugsweise, ohne Genehmigung des Autors!
Downloadversion dieses Dokuments: http://www.xybertrade.de/media/akkupflegetipps2.pdf
<zurück nach oben>